Interview mit Next Media Hamburg

Die Kollegen von Next Media Hamburg haben mich zum Interview gegeben. Das Gespräch mit dem Titel „Mit Livestreaming auf der Überholspur“ gibt es hier online:

Gregor Landwehr über das Erfolgsrezept von Contentflow

Vergangenes Jahr bist du mit deinem Live-Streaming-Projekt Contentflow in die USA expandiert. Bist du von der rasanten Entwicklung ihres Start-ups manchmal selbst ein wenig überrascht?

Ja, es gibt diese Momente, wenn ich überlege, was alles passiert ist, dann denke ich: krass, und das alles in so kurzer Zeit. Das ist für mich ein sehr deutlicher Gegensatz zu dem Tempo bei meinem vorherigen Arbeitgeber WDR.

2018 konntest du mit deinem Team auch Finanzierungshilfen von über zwei Millionen Euro generieren. Wenn man einmal von dieser enormen Unterstützung absieht: Welche Faktoren haben beim Aufbau deine Unternehmens noch eine entscheidende Rolle gespielt?

Da ist zum einen der NMA, der uns nicht nur mit dem ersten Investment, sondern auch seinem Netzwerk in der Medienbranche und auch, was das Mindset rund um das Thema Venture Capital angeht, richtig weit nach vorne gebracht hat. Und natürlich hat auch unsere erste Seed-Runde einiges verändert. Damit waren Investitionen in das Team und Produkt möglich, und durch unser Board kam noch einmal sehr viel Know-How ins Unternehmen, das uns jeden Tag hilft.

In Kooperation mit der Deutschen Welle entwickelst du seit Anfang des Jahres im Rahmen des Goolge-DNI-Projektes „LIMES“ und mit Mitteln aus dem „Google Digital News Innovation Fund“ eine Technologie, die Livestreaming-Videos mit interaktiven Mixed-Reality-Funktionen anreichert. Wie kann man sich einen solchen Livestream genau vorstellen?

Während das Thema Livestreaming in Deutschland so langsam ankommt, wollen wir mit diesem Projekt schon weiter gehen und haben uns deshalb überlegt, wie man Livestreams noch informativer und interaktiver gestalten kann. Daher bauen wir bei „LIMES“ Funktionen, die beispielsweise Personen im Stream automatisch erkennen und dann zusätzliche Informationen anzeigen, die Journalisten vorher im System hinterlegt haben. Das eröffnet ganz neue Möglichkeiten für Journalisten, aber auch für Werbeformate. Die Herausforderungen liegen hier in der technischen Komplexität, insbesondere was die Automatisierung angeht. Und da es bei uns um immer Livevideos geht, ist es besonders spannend und herausfordernd.

In Zeiten gesellschaftlicher Spaltung und Hate Speech führen Netzdebatten meist in Sackgassen. Mit Debatare hast du ein Magazin gegründet, das die Debattenkultur voranbringen soll. Wie soll das gelingen?

Gute Debatten immer dann möglich, wenn es zumindest die Offenheit gibt, die Argumente der Gegenseite auch anzuhören. Richtig gute Debatten werden es, wenn sie lösungsorientiert geführt werden – und es braucht klare Regeln. Diesen Rahmen möchte Debatare setzen, damit es Debatten werden, die Spaß machen. Leider ruht das Projekt wegen Contentflow aktuell etwas.

Benötigt es im Fall von Netzdebatten mehr Regulierungen durch die Politik?

Bei Regulierung im Netz durch die Politik zucke ich schon zusammen. Als Journalist finde ich, dass sich die Politik da raus halten sollte, denn Zensur kann niemand wollen. Der bislang gesetzte Rahmen durch das Strafrecht reicht hier aus. Wären Ermittlungsbehörden in der Lage, die zur Anzeige gebrachten Fälle auch zu verfolgen, wäre schon viel geholfen. Die Politik sollte vielmehr auf die großen Internet-Konzerne schauen. Hier wäre ein europäischen Handeln nötig, etwa was die Versteuerung von Gewinnen angeht. Hier ist politisches Handeln gefordert, nicht bei der Regulierung von Debatten.

Bei unserem Inkubator MEDIA LIFT bist du als Mentor im Einsatz und unterstützt die Teilnehmer*innen bei der Umsetzung ihrer Ideen. Was ist dein ultimativer Starter-Tipp, den du Gründungswilligen mitgeben würdest?

Einfach machen! Nicht zu perfektionistisch sein, sondern schnell das Feedback von Kunden einholen, und dann weitermachen! Das spart am Ende viel Zeit, und war eine Lektion, die ich mir mit viel Zeit erarbeiten musste.