Wie seht eine Redaktion in Zukunft aus?

Die Transformation in der Medienbranche endet nicht. Gleich geblieben sind oft die Strukturen in den Redaktionen. Doch wie sollte eine Redaktion aufgebaut sein, damit sie gut aufgestellt ist?

Für eine erfolgreiche Umsetzung einer digitalen und kulturellen Transformation in ihrem Unternehmen gaben 77 Prozent der Befragten der Trendumfrage 2024 vom BDZV eine Anpassung der Organisationsstruktur an. Das Thema wurde also erkannt, aber noch nicht beantwortet.

Aktuell sehe ich folgende Entwicklungen:

Trend1: Vom Ressort zur Audience

Der klassische Redaktions-Aufbau, wie ihn auch die Redaktionsforschung kennt, ist vertikal entlang der Hierarchie von der Chefredaktion bis zu Volontärinnen und Volontären organisiert. Horizontal zeigt sich die Differenzierung in Themen wie Politik, Sport, Lokalredaktionen. Diese horizontale Aufteilung nach Themen ist dabei immer weniger für neue Anforderungen geeignet. Auch die Trendumfrage spiegelt wider, dass Redaktionen der Zukunft sich nicht nach Ressorts, sondern nach Themen und Zielgruppen organisieren.

Trend 2: Lesermarkt und Redaktion zueinander bringen

Mit dem Aufkommen der Redaktion im 18. Jahrhundert vereinte eine Redaktion noch alle Bereiche, die auch den Satz, den Druck und das Bearbeiten der Informationen umfassten. Im 19. Jahrhundert folgte dann die Trennung von den verlegerischen und technischen Tätigkeiten. Themen wie der Lesermarkt sind in dieser Tradition kein Teil der Redaktion mehr. Dies hatte zur Folge, dass gemeinsame Abstimmungen und einheitliche Ziele eine Herausforderung sind.

Daher haben sich Modelle, bei denen der Lesermarkt ein Teil der Redaktion ist, oder bei Redaktion und Lesermarkt gemeinsam die Führung übernehmen, als zielführend erwiesen.

Trend 3: Journalismus in Produkten denken

Viele Redaktionen arbeiten nicht mehr nur für ein Produkt (Zeitung), sondern erstellen Inhalte für viele verschiedene Produkte (E-Paper, App, Podcast, Newsletter, usw.)

Diese Vielfalt erfordert nicht nur sehr unterschiedliche journalistische Inhalte, sondern benötigt auch eine ganzheitliche Produkt-Betrachtung. Diese Rolle nimmt in der Redaktion ein Product Owner ein. Eine Rolle, die das Produkt aus Nutzersicht in den Blick nimmt und mit allen Aspekten betrachtet und steuert.

Trend 4: Die Struktur folgt den Erlösquellen

Ökonomische Bedingungen haben die Redaktionsstruktur schon immer beeinflusst. Während heute der Printbereich immer noch für einen Großteil der Erlöse (70 %) verantwortlich ist, wird dies im Jahr 2030 um die Hälfte zurückgehen. Und andere Bereiche werden wachsen. Dies bedeutet auch, dass der Schwerpunkt bei Inhalt und Produkt in den Bereichen liegen wird, in dem ein Großteil der Erlöse erwirtschaftet wird. Mit dem Beginn der Digitalisierung war dies ähnlich, damals wurden Online-Redaktionen eingeführt. Bestimmte Bereiche wie der Satz werden zukünftig noch stärker automatisiert werden, und die Redaktionsstruktur wird sich auf Bereich konzentrieren, die Wachstum bringen.

Wie organisiert sich eine zukunftsfähige Redaktion?

Die Führung einer Redaktion wird breiter aufgestellt. Ein Modell wäre ein Publishing Board, besetzt mit Vertretern aus den Bereichen Inhalt, Lesermarkt, Verwaltung. Eine andere Form wäre, die Leitung auf Geschäftsführung und Chefredaktion aufzuteilen.

Verschiedene Content Units (nach Region, Thema oder User Needs organisiert) geführt von Teamleitern (die selbst keine Inhalte erstellen), aus Reportern für längere Stücke und Breaking News Reportern.

Product Owner kümmern sich für die einzelnen Produkte um Bereiche wie das Pricing, Marketing, Technik. Bereiche wie Daten & Technik, Marketing und HR vervollständigen die Redaktion.

Kern einer jeden Redaktion sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Diese durch Coaching bei ihrer Arbeit zu begleiten, und mit Weiterbildungen zu qualifizieren, ist wichtig.

Die Redaktion als lebende Organisation

Redaktionen haben sich im Laufe ihrer Entwicklung immer breiter aufgestellt. Sie haben sich in die Richtung verändert, dass sie immer mehr Aufgaben rund um journalistische Produkte übernehmen. Dies könnte als ein Schritt zu den Anfängen der Redaktionsgeschichte gesehen werden, ist aber eine logische Konsequenz der aktuellen Entwicklung in der Medienbranche, und ein Schritt Richtung moderner Redaktionsorganisation.